„Meine Mutter hat nur mit dem Kopf geschüttelt"

Nordwalde. „Hier klingt es schon etwas anders", sagt Walter Offers, als er die Tür zu seinem Zimmer öffnet. Es ist der letzte Tag für den Seelsorger im St.-Augustinus-Haus, der letzte Tag vor seiner Frühverrentung. Die Bilder, die sonst die weißen Wände zierten, hat der 61-Jährige schon abgenommen. Hier und da stehen Umzugskartons in den Ecken des kleinen Zimmers, das nur einen Katzensprung von der Cafeteria entfernt ist. Die Bewohner des Altenzentrums hatten es nie weit, fanden bei Walter Offers immer ein offenes Ohr.

Dabei hätte auch alles anders kommen können. Mit 13 Jahren ging Offers als Jungwerker bei der Bundesbahn in die Lehre, brach sie aber ab und absolvierte stattdessen eine Bankausbildung, bevor er bei der Bundeswehr Dienst leisten musste. Anstatt danach wieder bei der Bank zu arbeiten, machte Offers ein Praktikum bei der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ), wurde für zwei Jahre Jugendsekretär der CAJ im Kreis Dinslaken, arbeitete als Erzieher im St.-Josefs-Haus in Wettringen, wurde Leiter des Pfarrzentrums der dortigen Kirchengemeinde St. Petronilla und begann 1976 schließlich eine berufsbegleitende Ausbildung zum Pastoralassistenten in Ibbenbüren.

„Meine Mutter", sagt Walter Offers, „hat nur mit dem Kopf geschüttelt und konnte nicht verstehen, wieso ich mich nicht für die Karriere bei der Bank entschieden habe." Doch er stand damals wie heute zu seiner Entscheidung und fasst die Beweggründe kurz und knapp zusammen:

„Ich möchte für die Menschen da sein." Und das war er auch, wofür die Urkunde des Generalvikars des Bistums Münster wohl nur der allerkleinste Beweis sein dürfte, die er jetzt für 40 Jahre Arbeit in katholischen Einrichtungen überreicht bekam.

32 Jahre verbrachte er davon im pastoralen Dienst.Die längste Zeit war Walter Offers in der Grevener Gemeinde St. Josef beschäftigt, wo der vierfache Vater fast 20 Jahre als Pastoralreferent viel mit Kindern, Jugendlichen und Familien zu tun hatte. Er führte dort zum Beispiel eine Trauerbegleitung, ein Frühstück für Obdachlose, Kaffeenachmittage für Alleinerziehende Eltern mit Kinderbetreuung, Ferienlager, eine Möbelkammer und eine Kleiderstube ein.

Vor vier Jahren entschloss sich der heute 61-Jährige dann dazu, noch einmal etwas ganz anderes zu machen und im St.-Augustinus-Haus anzufangen. „Es war eine neue, aber auch eine sehr gute Erfahrung", sagt Offers rückblickend. Der 61-Jährige bezeichnet sich selber als Seelsorger für alle: Er war für Konfessionslose genauso da wie für evangelische oder katholische Christen. Walter Offers hat sich immer wieder für eine Kultur des Abschieds im St.-Augustinus-Haus stark gemacht: „Die Menschen, die hier durchs Hauptportal bei ihrem Einzug kommen, die sollen das Haus – wenn es gewünscht wird – auch entsprechend wieder verlassen können", sagt der 61-jährige. Wichtig sei, dass nach dem Tod eines Bewohners nicht direkt der Bestatter gerufen werde, sondern alle Angehörige und Freunde Zeit bekommen, sich richtig verabschieden zu können. Gerne blickt Offers auch auf die Wortgottesdienste zurück, die er einmal in der Woche und zu besonderen Anlässen zusammen mit den Menschen gefeiert hat.

In Zukunft will er auch weiter für die Menschen da sein – zum Beispiel bei der ehrenamtlichen Hospiz-Initiative des Dekanates Emsdetten/Greven. „Ansonsten freue ich mich darauf, morgens ganz gemütlich aufzustehen, zu frühstücken, Zeitung zu lesen, mit dem Rad zu fahren und mit Holz zu arbeiten", sagt Walter Offers, packt die letzten Dokumente in einen Umzugskarton und freut sich schon auf den 12. Januar, wenn er beim Neujahrsempfang von der ganzen Pfarrgemeinde offiziell verabschiedet wird.

Samstag, 29. Dezember 2007 | Quelle: Westfälische Nachrichten (Nordwalde)