410 EUR für Tansania-Schulprojekt

Beim sehr gut besuchten Fastenessen der Afrika-Gruppe der St. Martinus-Gemeinde am Sonntagmittag kamen in Greven lebende Flüchtlinge zu Wort. So berichtete Faya Leno aus Guinea (Westafrika) von seinen ersten Erfahrungen in Greven vor 2,5 Jahren: Er hatte in seinem Zimmer zur Überraschung seiner Gäste mitten im Sommer stets die Heizung angestellt, weil im tropischen Guinea die Durchschnittstemperaturen über 20° C liegen. Seit Juli 2015 hat er erfreulicherweise eine Stelle beim Bundesfreiwilligendienst bei der Caritas und möchte danach eine Ausbildung als Altenpfleger beginnen. Das größte Ziel des 36-Jährigen ist es, dass dann seine Frau und seine Kinder aus Guinea nachkommen können.

Aufgrund seines jungen Alters ganz andere Ziele hat Muhammed aus Tadschikistan (nördlich von Afghanistan). Er ist erst seit 10 Monaten in Deutschland und möchte seine Deutschkenntnisse so weit verbessern, dass er die Sprachprüfung als Voraussetzung für ein Studium erfolgreich besteht. Der dritte allein geflüchtete Mann in der Runde war Chabani Kamal aus Syrien. Aus traurigem Anlass wissen wir spätestens seit letztem Jahr alle, wo Syrien liegt. Syrien gilt als die kulturelle Wiege der Menschheit, worauf Chabani Kamal stolz ist. Bedrückt berichtete er, was in den letzten fünf Jahren daraus geworden ist, wobei er eine Vielzahl an Ursachen aufzählte: Das Land ist ein  religiös-ethnischer Flickenteppich, die Terrororganisation „Islamischer Staat“ hat sich bis nach Syrien ausgebreitet und die beiden Großmächte Russland und USA verfolgen unterschiedliche Interessen in Syrien.

Heinz Kues von der ehrenamtlichen „Flüchtlingshilfe Greven“ erläuterte, woher die überraschend guten Deutsch-Kenntnisse der drei Flüchtlinge kommen. Alle drei nahmen zunächst an Deutsch-Kursen der Volkshochschule teil, welche durch Spenden an die Flüchtlingshilfe ermöglichst werden. Darauf aufbauend vertieften sie ihre Deutsch-Kenntnisse beim Bildungsinstitut Münster (BIMS). Übrigens ist Deutsch oftmals die 4. oder 5. Sprache von Flüchtlingen neben z.B. Englisch, Arabisch und lokalen Sprachen.

Beim Fastenessens am Sonntag spendeten die Teilnehmer nach dem abschließenden gemeinsamen Mittagessen - einem einfachen Reisgericht – die tolle Summe von 410 Euro. Dieses Geld wird verwendet für das Schulprojekt in Tansania, für das sich die Afrikagruppe von St. Martinus seit vielen Jahren engagiert. Mit diesem Geld kann beispielsweise Kindern, deren Familien das Schulgeld nicht zahlen können, der Schulbesuch ermöglicht werden. Was allen drei Flüchtlingen aufgefallen ist, was hier in Greven aber leider vermutlich nur wenige wahrnehmen: In Deutschland haben Kinder beste Voraussetzungen für ihre Zukunft: Es gibt Frieden, und alle (!) Kinder haben Zugang zu einer sehr guten Schulausbildung.

 

Heinz Kues (Flüchtlingshilfe Greven) und drei Flüchtlinge aus Syrien, Tadschikistan und Guinea (von links) berichteten vor gut 35 interessierten Teilnehmern beim Fastenessen 2016 in St. Martinus.