Seelsorgeteam widerspricht römischer Glaubenskongregation.

Am vergangenen Montag veröffentlichte die Glaubenskongregation in Rom, dass eine Segensfeier für gleichgeschlechtliche Paare in der katholische Kirche nicht möglich sei. Das Seelsorgeteam der katholischen Kirchengemeinde St. Martinus widerspricht dem entschieden. „Mich macht dieses Verbot fassungslos“, beschreibt Pastoralreferentin Andrea Antkowiak ihre Reaktion auf die Verlautbarung. Ihre Kollegin Maria Wagner stimmt zu: „Es widerspricht absolut meiner Vorstellung der Liebe Gottes, die jeden Menschen vorbehaltlos annimmt.“

Das Vatikanpapier betont zwar, dass die Kirche homosexuelle Menschen nicht diskriminiere, aber keine Vollmacht habe, ihre Liebe zu segnen. Das Pfarrteam in Greven sieht es genau anders herum: „Wir haben keine Vollmacht, diese Liebe nicht zu segnen“, bringen die Seelsorgerinnen und Seelsorger ihre Haltung auf den Punkt. „Als Kirche in Greven wollen wir niemanden ausschließen. Unsere Seelsorge ist offen und einladend für alle Menschen, gleich welcher sexuellen Orientierung“, stellen die Pastoralreferenten Matthias Brinkschulte und Sven Tönies klar.

Als Zeichen ihrer Überzeugung hängen seit diesem Wochenende Regenbogenfahnen am Kirchturm der Martinuskirche. An allen vier Seiten wehen die türgroßen Flaggen im Wind und ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Messdiener, Pfadfinder und Landjugend haben in der Nacht auf Samstag mit Kreide Regenbögen auf Grevens Straßen gemalt. Die Regenbogenfahne ist das Symbol für Toleranz und Respekt gegenüber homosexueller, transgender oder queer-people. Für Christen ist der Regenbogen ein Zeichen des Bundes Gottes mit den Menschen – in all ihren Lebensweisen. Am Sonntag findet um 18 Uhr ein gestreamter Jugendgottesdienst zum Thema statt.

„Wir sind mit unserem Zeichen in guter Gemeinschaft. Im ganzen deutschsprachigen Raum bringen katholische Gemeinden, Verbände und Amtsinhaber ihr Unverständnis und ihre gegensätzliche Meinung zum Ausdruck“, betont Pfarrer Lunemann die Reichweite der Solidarität. So haben bereits der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz Bätzing, Bischof Overbeck aus Essen, der Generalvikar des Bistums Speyer und viele weitere Kirchenvertreter Kritik an der Entscheidung Roms geübt und sprechen ihre Wertschätzung und ihren Respekt für die Liebe gleichgeschlechtlicher Beziehung aus. Über Facebook und Instagram posten Kirchengemeinden gehisste Regenbogenfahnen. In einer digitalen Erklärung haben über 1000 Ordensleute, Pastoral- und Gemeindereferenten, Diakone und Priester bestätigt, auch zukünftig homosexuelle Paare segnen zu wollen. Pastoralreferent Tobias Busche betont, dass sich das Seelsorgeteam dieser Überzeugung anschließt: „Wenn jemand Gott um seinen Segen für seine Liebe bittet, wird er oder sie nicht allein gelassen – weder von Gott, noch von uns!“

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